E) NÄHERES ÜBER DIE STABILE UND KONSTANTE GALVANISATION

1. Was ist stabile bzw. konstante Galvanisation?

Die konstante bzw. stabile Galvanisation ist die "Anwendung" eines in einer Richtung fließenden Stromes mit konstanter Intensität bei stabiler Elektrodenlage (Abbildung 7).

Abbildung 7

Bis zu Beginn unseres Jahrhunderts wurde der "galvanische" Strom ausschließlich durch galvanische Elemente bzw. Batterien erzeugt. Bis auf Laborversuche, wo reine Gleichströme benötigt werden, bezieht man den Gleichstrom für die Elektrotherapie heute durch Umwandlung aus dem Wechselstromnetz.

2. Biologische Wirkungen der stabilen Galvanisation

2.1. Allgemeine Gedanken

Im Gegensatz zum Reizstrom kann der konstant fließende Gleichstrom an sich noch keine Erregung von Nerven und Muskeln auslösen. Er verursacht vielmehr eine höhere oder niedrigere Bereitschaft zur Erregung (je nach Elektrodenpolarität), damit eine veränderte Ansprechbarkeit von Nerven und Muskeln.

Es konnte festgestellt werden, daß beispielsweise Muskeln, die einer konstanten Galvanisation ausgesetzt wurden, außer auf darauf folgende Stromreize auch auf andere physikalische Reize, sogar auf Willensimpulse, besser reagierten.

Obwohl der genaue Wirkungsmechanismus des Gleichstroms auf die erregbaren Strukturen bis heute noch nicht endgültig geklärt werden konnte und viele Methoden empirisch gefunden wurden, ist seine Wirksamkeit heute unumstritten.

2.2. Die schmerzlindernde Wirkung

Eine Wirkung sehen wir besonders bei Nerven- und Muskelschmerzen.

Das Ruhepotential der erregbaren Strukturen ist unter der Anode (+Pol) erhöht und damit die Erregbarkeit herabgesetzt. Diese relative Lähmung insbesondere der Schmerz-Nerven läßt zunächst eine schmerzlindernde Wirkung des Gleichstromes besonders unter der Anode vermuten.

Jedoch konnte schon in den 40er Jahren in Tausenden von Fällen gezeigt werden, daß es für den Behandlungserfolg bei der Schmerzdämpfung völlig gleichgültig ist, wo die Anode (+Pol) und wo die Kathode (-Pol) angelegt wird. Die schmerzstillende Wirkung ist auf die Veränderung der Ionenkonzentrationen entlang des ganzen Weges zwischen den beiden Elektroden zurückzuführen.

Der Grund hierfür ist, daß sich jede Zelle im Gewebe zwischen Anode und Kathode entsprechend der Ladung des elektrischen Feldes auflädt. Es entstehen viele kleine Batterien, die wie an einer Kette aufgereiht sind. Der +Pol einer jeden dieser Batterien zeigt zu positiv geladenen Hautelektrode und ein jeder -Pol zeigt entsprechend zur negativ geladenen Hautelektrode (Abbildung 8).

2.3. Die durchblutungssteigernde Wirkung

Auch hier sind die genauen Mechanismen noch nicht endgültig aufgedeckt. Durch den Strom und dessen Wirkung auf die kleinen Muskeln in der Gefäßwand werden die Blutgefäße nach kurzer Verengung reflektorisch weitgestellt. Dieser Effekt hält auch nach der Behandlung noch lange an und betrifft nicht nur die Blutgefäße in der Haut, sondern auch jene in der darunter gelegenen Muskulatur.

Während in der Haut Steigerungswerte von bis zu 500% gemessen werden konnten, betrugen diese in der Muskulatur noch bis zu 300% der Ausgangswerte. Gerade bei der arteriellen Verschlußkrankheit (Raucherbein) im Stadium II konnten durch die Durchblutungssteigerung Gehstreckenverbesserungen von 40% erzielt werden.

2.4. Die regenerationsfördernde Wirkung

Bei Langzeitanwendungen des konstanten Gleichstroms mit niedrigen Stromstärken beobachtete man eine heilungsfördernde Wirkung auf schlecht heilende Wunden (z.B. beim Unterschenkelgeschwür Ulkus cruris). Der Mechanismus ist auch hier unklar. Im Tierexperiment war eine vermehrte Eiweißbildung auffällig. Außerdem wurden im Gewebe vermehrt energiehaltige Substanzen gebildet.

Da die Erneuerungs- und Wachstumsprozesse auch normalerweise im Organismus mit inneren elektrischen Vorgängen gemeinsam ablaufen, ist eine äußere elektrische Beeinflussung mehr als wahrscheinlich. So konnten Gleichströme mit Stromstärken zwischen 5 und 20 µA (Millionstel Ampere) schon erfolgreich zur Förderung der Knochenbruchheilung eingesetzt werden! Die stimulierende Wirkung tritt dabei besonders in der Nähe der Kathode (-Pol) auf.

2.5. Die Beeinflussung des Zentralnervensystems

Bei der Untersuchung an Fröschen konnte die Wirkung des konstanten Gleichstroms auf das Zentralnervensystem sehr genau dargestellt werden. Befand sich der Frosch im Wasser und wurde in Längsrichtung eine sogenannte absteigende Galvanisation mit der Anode (+Pol) kopfwärts und der Kathode (-Pol) fußwärts durchgeführt, so kam es zunächst zu einer Betäubung des Frosches, die bei höheren Stromstärken in eine Galvanonarkose (Elektroschlaf) überging. Die Extremitäten lagen dann schlaff in Richtung der Längsachse des Körpers. Bei aufsteigender Galvanisation trat ein deutlicher Galvanokrampf auf, bei dem die Extremitäten stark angebeugt waren.

Da das Zentralnervensystem des Menschen ungleich komplizierter als beim Frosch aufgebaut ist und hochentwickelte Bewußtseinsstrukturen das einfache Reflexgeschehen weitestgehend kontrollieren, sind die Wirkungen nicht so deutlich ausgeprägt. Während bei der absteigenden Galvanisation im Bereich der Wirbelsäule auch beim Menschen gelegentlich ein Einschlafen beobachtet werden konnte, kommt es zu einer reproduzierbaren (d.h. immer wiederkehrenden) Senkung des Patellarsehnenreflexes. Hierbei handelt es sich um den Muskelreflex, der im Rahmen einer ärztlichen Untersuchung sicher bei jedem schon einmal unter der Kniescheibe ausgelöst wurde.

Abschließend kann festgestellt werden, daß die Stärke der Gleichstrombehandlung in einer längerfristigen gleichmäßigen Behandlung mit allmählich einsetzender Wirkung liegt, während die Reizstromtherapie kurzfristige und schnell einsetzende Wirkungen erzielt.

Gerade aus diesem Grund ist die Gleichstrombehandlung dazu geeignet, auch während des normalen Tagesablaufs über längere Zeit (1-3 Tage) ohne Einschränkungen angewendet zu werden. Die Zeit beim Physiotherapeuten könnte so gespart werden. Die wichtigste Voraussetzung dafür ist eine äußerst kleine, aber wirkungsvolle Anordnung zur Erzeugung und Anwendung eines ausreichend starken galvanischen Stroms am Körper.

Diese Voraussetzungen sind in Form des Galvanischen Heilpflasters GALVANOPLAST erstmalig gegeben.

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Copyright Dr. med. Mario Bergner, Deisenhausen